EMS Training verspricht pralle Muskeln, aber ist es hilfreich oder gefährlich?

Germany News 14

Fit und schlank in wöchentlichen 20-minütigen Trainingseinheiten – ein Traum für jeden Faulen und ein Versprechen für jedes Fitnessstudio, das Elektromyostimulationstraining oder kurz EMS anbietet.

Während des EMS-Trainings trägt die trainierende Person einen kabelgebundenen, engen und feuchten Sportanzug, der bestimmte Muskelgruppen elektrisch stimulieren kann. Der elektrische Strom soll dem schnellen Muskelaufbau mit minimalem Kraftaufwand seitens des Trainierenden zuträglich sein. 

Trainingseinheiten bestehen aus einzelnen Posen, die mehrere Sekunden lang gehalten werden. In einer Übung steht die Person beispielsweise mit gespreizten Beinen, gebeugten Knien und weit geöffneten Armen. Es soll die Brustmuskulatur stärken. Eine andere Übung garantiert “feste Oberschenkel” und einen “sexy Hintern”.

Die Theorie hinter EMS: Es wird angenommen, dass der elektrische Strom die Muskelkontraktion verstärkt, indem tiefere Muskelfasern erreicht und diese gestärkt werden. Obwohl diese Methode häufig in der Physiotherapie, im Hochleistungssport und für medizinische Zwecke nach Operationen eingesetzt wird, ist ihre Anwendung in Turnhallen ein relativ neuer Trend.

EMS kann Nierenschäden verursachen

Ein Trend, vor dem Experten der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) jetzt warnen. Bisher sei nicht bekannt, ob ein EMS-Training effektiv sei.

“Bei unsachgemäßer Anwendung kann EMS Muskelschäden verursachen. Dabei werden kleine Muskelpartikel in die Blutbahn freigesetzt und können die Nieren schädigen”, erklärt Professor Dr. Stefan Knecht, DGKN – Sprecher und Chefarzt der Klinik für Neurologie in St Mauritius Therapieklinik in Meerbusch, Deutschland.

Dieser Muskelschaden entsteht, wenn durch intensives Training die Kreatinkinase (CK) erhöht wird, ein Enzym, das normalerweise die Muskeln mit Energie versorgt. Menschen, die nach dem EMS-Training unter Schmerzen, Herzklopfen oder Schwäche leiden, sollten sofort einen Arzt aufsuchen, rät die DGKN.

Eine ärztliche Aufsicht ist erforderlich

Während Physiotherapeuten und Ärzte speziell für die Überwachung von EMS-Trainingseinheiten geschult sind, fehlt den meisten Mitarbeitern im Fitnessstudio die entsprechende Ausbildung oder das entsprechende Wissen. Wenn die maximale elektrische Belastung nicht richtig eingeschätzt wird, können die Muskeln und Nieren schwer geschädigt werden. Obwohl die EMS-Schulungen kurz sind, sind sie ziemlich intensiv – daher ist es wichtig, nach den Sitzungen viel Wasser zu trinken.

“In Maßen und unter ärztlicher Aufsicht ist ein EMS-Training akzeptabel. Bevor Sie beginnen, sollten Sie unbedingt Ihre Leberfunktion überprüfen lassen und sicherstellen, dass Sie nicht an einer Muskelstörung leiden”, informiert Knecht. Ohne medizinische Kontrolle sollte man es auch unterlassen, EMS und intensives Training zu kombinieren.

Während Neurophysiologen der DGKN vom EMS-Training abraten, empfehlen sie, sich an ein regelmäßiges Fitnessprogramm zu halten.

Leave a Comment